Natur achten – nicht missbrauchen!

Betr. „Lassen Sie den Fluss in Ruhe“
(EJZ 27. September)

Das im Jahr 2017 von der Bund-Länderkommission beschlossene Gesamtkonzept Elbe hat das Ziel „die umweltverträgliche verkehrliche Nutzung…mit der Erhaltung des wertvollen Naturraums in Einklang zu bringen“. Hintergrund ist, die Bedingungen für die Güterschifffahrt zu verbessern, auch bei uns an der so genannten „Reststrecke“ zwischen Hitzacker und Dömitz.

Wie auch immer man die Formulierung „ in Einklang bringen“ interpretieren mag, die „Rote Linie“ wird da überschritten, wo durch Baumaßnahmen der einzigartige Naturraum „Flusslandschaft Elbe“ geschädigt wird.

Die ökologische Bedeutung der Flusslandschaft Elbe mit ihrer besonderen Dichte und Vielfalt seltener und gefährdeter Biotop- und Lebensraumtypen sowie Tier- und Pflanzenarten ist fundamental (vgl. Biosphärenreservatsplan). Die UNESCO hat die Flusslandschaft Elbe als Schutzgebiet von internationalem Rang anerkannt. Um dessen Erhalt geht es!

Die Elbe ist ein Fluss mit ausgedehnten Niedrigwasserzeiten, die, so die Prognose, aufgrund des Klimawandels weiter zunehmen werden. Schon in den Jahren 2018 und 2019 musste die Güterschifffahrt über Monate eingestellt werden. Das Wasser fehlt, dennoch sieht das Gesamtkonzept Elbe vor, die Elbe an 345 Tagen im Jahr bei 1,40 m Wassertiefe schiffbar zu machen. Mit einer Vertiefung jedoch wird der Grundwasserspiegel sinken mit unabsehbaren Folgen für das gesamte Ökosystem der Flusslandschaft Elbe.

Wozu all die klugen Abwägungen und Diskussionen, die letztlich zur Verwirklichung des Gesamtkonzept Elbe führen? Sie verwässern, führen dazu, dass der notwendige konsequente Schutz des einzigartigen Ökosystems Flusslandschaft Elbe aus dem Focus gerät. Das gilt es zu verhindern, das ist unsere Arbeit. Einen Ausbau der Elbe darf es nicht geben!

Wozu auch, der Elbe-Seiten-Kanal ist eine überzeugende Alternative! Eine ausreichende Wassertiefe ist garantiert- ganzjährig! Schon Jahre werden Güter auf diesem Weg transportiert, nur wenige Transportschiffe nutzen die Elbe – wenn es überhaupt möglich ist.

Was treibt die Menschen – ohne Not – in die Natur einzugreifen? Was treibt sie, einen in Europa einzigartigen Naturraum zu zerstören?? Ist es wieder einmal die blinde Gier – wie überall auf der Welt – wirtschaftlicher Vorteile wegen wertvolle Natur zu missbrauchen, ohne Rücksicht auf unsere Lebensgrundlagen? Ist es menschliche Hybris, zu meinen, alles tun zu können, was möglich ist, Natur zu beherrschen, Macht über sie zu haben, „Macht euch die Erde untertan“ in einer Auslegung im übelsten Sinne?

Hermann Klepper, Banzau
Tel.: 05845/1249